Wird Kampf um Reaktivierung der Haltestelle Weikendorf zum Kampf gegen Windmühlen?

Die Strecke Gänserndorf – Marchegg wird adaptiert und elektrifiziert. Die Bauarbeiten laufen seit ca. einem Jahr. Ganz und gar nicht zur Freude von so manchen AnrainerInnen, die direkt an der Bahn wohnen und die den Streckenausbau mit gemischten Gefühlen verfolgen.

Einerseits wegen des zu erwartenden Lärms, der aufgrund der – nach dem Streckenausbau auf 120 km/h angehobenen Fahrtgeschwindigkeit massiver werden wird, andererseits aufgrund der mit dem Ausbau zu erwartenden Zugfrequenzen. Als Bahnanrainer hat man umso weniger dafür Verständnis, wenn die Züge nicht mehr wie früher in der Haltestelle stehen bleiben, sondern nur mehr durchfahren. Die Haltestelle wurde ja letztes Jahr von den ÖBB liquidiert.

Dieser Schritt nach hinten trifft die Weikendorfer besonders hart. Daher auch die Gründung der Bürgerinitiative Lärmschutz Weikendorf rund um Rainer Hynek, der gemeinsam mit seinen MitstreiterInnen um die Wiedereröffnung der Haltestelle kämpfen will.

Hynek: „Zur Zeit der Fahrgastzählung war die Frequenz tatsächlich nicht gut, da das Angebot  nicht vorhanden war. Aber mit dem Streckenausbau sollte sich das ändern. Wir geben nicht auf, wollen unsere Haltestelle zurück“. 

Bürgerinitiative hegt Zweifel an den Zugangaben –
„es sind gefühlt mehr Züge“


Derzeit beschäftigt Hynek & Co die von der ÖBB Infrastruktur AG – auf Forderung der BI – zugeschickte tagesgenaue Auflistung der tatsächlich gefahrenen Züge auf der Strecke Gänserndorf – Marchegg für jeden einzelnen Tag der Jahre 2017, 2018 und 2019.

Die Bürgerinitiative hegt nämlich Zweifel an den realen Angaben in der Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) und an der Richtigkeit des dazu verwendeten Betriebsprogrammes.

Die ÖBB verteidigt in einem Schreiben an das BMK die benötigte Auswertungsmethodik, die seit vielen Jahren für Behördenverfahren angewendet werde und nach standardmäßigem Prozedere ablaufe. Die Angaben seien somit real, beteuert man seitens des ÖBB-Konzerns. 

Auf die BI-Mitglieder wartet nun ein Gewaltakt an Arbeit, schließlich möchte man die angegebenen Züge in der Auflistung auswerten, um zu sehen, ob die tatsächliche Zuganzahl nicht nur „gefühlt“ zu hoch sei.

Was die ebenso von der BI geforderte Schallmessung anbelangt, so soll diese gemäß Bundesministerium nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2024 und der damit zusammenhängenden Anhebung der Fahrgeschwindigkeit der Züge auf 120 km/h auf Hyneks Grundstück über einen repräsentativen Zeitraum von 24 Stunden durchgeführt werden. 

Für VOR ist die Haltestelle Weikendorf gestorben –
nun bedienen Busse die Fahrgäste


Wenigstens der Lärmmess-Forderung wird der Konzern nachkommen. Mit der Reaktivierung der Haltestelle Weikendorf schaut es da wohl nicht so rosig aus, wie VOR-Sprecher Georg Huemer der RUNDschau gegenüber zu erkennen gibt. Die Haltestelle wurde 2020 aufgrund der schwachen Frequenz nach Rücksprache mit der Gemeinde geschlossen, da sie gemäß ÖBB Zielnetz 2025 deutlich unter 80 Einsteiger erreicht hat. Bei den letzten Zählungen  waren es laut Huemer gar nur 10 Reisende an Werktagen, an Wochenenden zwischen null und maximal 10 pro Tag.

Der VOR habe laut Georg Huemer im Zuge der Neugestaltung des Regionalbusangebotes im östlichen Weinviertel eine bedarfsgerechte ÖV-Alternative für Fahrgäste eingerichtet, die in Weikendorf Ort eingestiegen sind. Von Weikendorf nach Gänserndorf kommen Fahrgäste nun stündlich mit den Linien 528 bzw. 526 (siehe Screenshot). „Die wesentlich stärker nachgefragte Station Weikendorf-Dörfles bleibt erhalten. Im Zuge des Nordbahn-Ausbaus wird diese modernisiert und das Angebot ausgebaut“, so Huemer.

Maria Köhler 

Am Bild 1: Die Bahnstation Weikendorf auf einem Satelitenbild.

Am Bild 2: Die Grünen GF beim Bahnhof Weikendorf.

Foto 1: Google Maps

Foto 2: Grüne GF

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