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Stiefkind Nordbahnstrecke - Bernhardsthaler ist mieseste Verbindung

Bezirke Mistelbach und Gänserndorf, 27. September 2019

Stiefkind Nordbahnstrecke - Bernhardsthaler ist mieseste Verbindung


Miese Verbindung - ÖBB versprechen Besserung

In den Ausgaben Gänserndorf und Wolkersdorf der gedruckten RUNDschau haben wir bereits kurz darüber berichtet. Über die skandalösen Bedingungen, die den PendlerInnen an der Nordbahnstreke zugemutet werden.
Die Arbeiterkammer Wien, NÖ und Burgenland führte unter mehr als 2.000 Personen eine Pendlerumfrage durch. In Niederösterreich müssen laut AKNÖ mehr als 77,6 % pendeln. Der Großteil der Befragten (70 %) pendelt fünf Mal die Woche (ein Drittel davon investiert für eine Strecke mehr als eine Stunde) und bekommt somit die Auswirkungen eines schlechten Öffi-Angebotes besonders unangenehm zu spüren.
In Niederösterreich legen laut erwähnter Umfrage 41 % ihren Arbeitsweg mit dem Auto zurück. Wie aus der Befragung hervorgeht, würden fast die Hälfte aller PendlerInnen das Auto stehen lassen, hätten sie ein besseres Öffi-Angebot zur Verfügung. Als Problemkind der blau-gelben Pendlerverbindungen steht definitiv die Nordbahn im Mittelpunkt.
Gleich bei fünf abgefragten Paramentern schneidet die Linie nach Bernhardsthal mit schlecht oder sehr schlecht ab. Hier vermissen die PendlerInnen eine Taktverdichtung auf der Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling und somit mehr Zugverbindungen.
Wunschthemen sind mehr Pünktlichkeit und Sauberkeit sowie bessere Ausstattung, z.B. W-LAN in den Zügen. Ebenso mehr P & R-Stellplätze, mehr E-Lademöglichkeiten an den Bahnhöfen sowie Verbesserung der Fahrradinfrastruktur (Radwege, Stellplätze, versperrbare Boxen).
Neben dem Wunsch nach einem Ansprechpartner im Zug (dies ist für mehr als die Hälfte aller Befragten ein Anliegen) hielten die Zuggäste laut Umfrageergebnisse auch die Reduzierung der Ticket-Preise für sinnvoll.

Alter Fuhrpark an der Nordbahn ausgemustert
Die von 86 % in der AK-Umfrage geforderte Taktverdichtung scheitert an der zu geringen Stammstreckenkapazität zwischen Wien Floridsdorf und Wien Meidling. 2018 kam es hier zu zahlreichen Verspätungen.
Damit erreichte die ÖBB nur 94,3 % des im Verkehrsdienstevertrag zwischen Land und ÖBB gesetzten Qualitätszieles, nämlich einer 95-%igen Pünktlichkeit. Wie ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif  jedoch meint, fahren ab Dezember 2019 keine Fernverkehrszüge mehr auf der Stammstrecke. Somit stehe vorübergehend wieder pro Stunde eine Puffertrasse zur Verfügung.
Damit ergäbe sich die Möglichkeit der, von den PendlerInnen ersehnten, Zugaufstockung. Diese sei laut Seif erst nach dem Umbau der Sicherungstechnik möglich. Die ÖBB gehen davon aus, dass damit die Zuganzahl pro Stunde um zusätzlich bis zu zwölf Zügen erhöht werden kann. Ob die dann auf der Nordbahn nach Bernhardsthal oder in andere Richtungen fahren werden, wird sich noch herausstellen.
Die notwendige Finanzierung sei derzeit außerdem weder gesichert noch definitiv gestellt. „Somit wird der erste wichtige Schritt die Ausmusterung des alten Fuhrparks und die Anschaffung von zusätzlichen Doppelstockzügen sein. Das führt aber noch zu keiner Taktverdichtung, sondern ausschließlich zu einer Kapazitätserhöhung“, erklärt Seif.

Bahnhöfe saniert und Eisenbahnkreuzungen eliminiert
Fakt sei, dass es noch heuer im Sinne des von Landesrat Schleritzko angekündigten und derzeit verhandelten Verkehrsdienstevertrages zu weiteren Verdichtungen komme. Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2019 werden die Zugkilometer voraussichtlich auf 40,9 Millionen gesteigert. Weitere Steigerungen bis zu 47 Millionen Jahreskilometer seien laut Seif möglich.
Die eventuelle Errichtung einer zusätzlichen Stammstrecke hänge laut Seif von der Einigung zwischen Land NÖ, Wien und dem Bund ab. Selbst wenn es zum Konsens kommt, wäre der Ausbau ein Jahrzehnte-Projekt. Bis dahin setzen die ÖBB auf die Verdichtung anderer Strecken.
Wie man bei den ÖBB weiß, seien große Anlagen der Nordbahn am Ende ihrer Lebensdauer. Derzeit bereitet die ÖBB die UVP-Planung vor. Seif: „2027 soll die Modernisierung abgeschlossen sein. Danach wird die Fahrzeit zwischen Wien und Prag nur mehr 3 3/4 Stunden betragen. Um etwa eine halbe Stunde weniger als heute. Bis 2027 werden die Bahnhöfe saniert und – dort wo es möglich ist – die Eisenbahnkreuzungen aufgelassen“. Was das den Pendlern bringen soll lässt der ÖBB-Sprecher unerwähnt.

VOR gibt sich bezüglich Besserungsmaßnahmen bedeckt
Das zwischen Bund und Ländern abgeschlossene Memorandum of Understanding beinhaltet laut VOR den infrastrukturellen Ausbau der Bahnstrecken u.a. auch der Nordbahn. Wie VOR-Pressesprecher Georg Huemer berichtet, werde das Zugangebot in der Ostregion in den nächsten Jahren deutlich steigen (rund 25 % mehr Bahnkilometer). „Damit wird zum einen der hohen Nachfrage im Öffentlichen Verkehr Rechnung getragen und andererseits umweltfreundliche Mobilitätsformen weiter gefördert“.
Besserung verspricht das Papier bei den letzten Abfahrtszeiten in Wien. Hier sollen an den Hauptstrecken künftig die Züge erst um Mitternacht abfahren. Auch an den Regionalbahnen werden die letzten Abfahrten von derzeit 20 Uhr auf 22 Uhr nach hinten verschoben. Letztgenannte werden zudem elektrifiziert. Mehr Details über Besserungsmaßnahmen in der Ost-Region gibt VOR derzeit noch nicht preis. Huemer: „Sobald alle Details festgezurrt sind, werden die Verantwortlichen alles Weitere kommunizieren“.

AK Niederösterreich fordert besseres Pendlerangebot
Ein Ausbau des Öffi-Verkehrsangebotes sei laut AKNÖ-Präsident Markus Wieser sowohl hinsichtlich Qualität als auch Leistbarkeit erforderlich. Nur bei entsprechendem Angebot könne dieses in Anspruch genommen werden. Vor allem an der Nordbahn und Laaer Ostbahn brauchen laut Wieser die PendlerInnen ein besseres Angebot. Zentrales Thema der AKNÖ sei auch eine Erhöhung des P & R-Angebotes.
Aber – so Wieser – „es gibt auch gute Nachrichten: Wir hatten im Sommer vermehrt Rückmeldungen von Jahreskartenkunden der ÖBB, deren Strecken eine Pünktlichkeit unter 95 % hatten. Wir haben mit den ÖBB Kontakt aufgenommen und die Fahrpreisrückerstattungsforderungen der Bahnkunden erfolgreich lösen können“. Die Auszahlung werde nun wieder automatisch vorgenommen.
Grundsätzlich fordern die AK´s mehr Geld für den Öffi-Ausbau, günstigere ÖV-Tarife, bessere Ausstattungen und die Bezahlung der im Zug geleisteten Arbeit durch die Firmen. Weiters gefordert werden sichere Radwege und –abstellmöglichkeiten im Umfeld von Bahnhöfen und Betrieben, ebenso  Arbeitszeit-Anpassungsmodelle für PendlerInnen.

Was meint die Politik im Sinne der ÖV-Verbesserung?
Wie FPÖ-LAbg. Dieter Dorner festhält, fordere er besonders adäquate P & R-Anlagen außerhalb der Stadtgrenzen und die sinnvolle Verbindung von Individual- und Öffentlicher Verkehr. Dorner: „Niederösterreich ist ein Flächenbundesland. Eine alleinige Abdeckung durch den öffentlichen Verkehr ist daher auch in absehbarer Zukunft nicht machbar. Vorrangiges Ziel muss es sein, den Arbeitsweg in Kombination PKW mit ÖV so zeitschonend und bequem wie möglich zu gestalten“.
Die Sozialdemokraten sehen im weiteren Öffi-Ausbau eine dringende Notwendigkeit. SP-NR Rudi Plessl: „Die PendlerInnen benötigen diese Investitionen, um auf die Öffis umsteigen zu können. Die AK-Umfrage zeigt uns den Weg. Durch diesen Ausbau wird auch ein wertvoller Beitrag für unseren Klimaschutz geleistet. Ein Betrag von über 5 Mrd. Euro sollte vorgesehen werden, wobei gerade in der Ostregion weitere Investitionen notwendig sind“.
Verstärkt werden sollten laut Plessl die Verdichtung von Bahn-Hauptachsen und Bus-Zubringern. Die SPÖ plädiert für das 1,2,3 Euro Klima-Ticket: also 1 Euro für 1 Bundesland - Beispiel: Wiener Jahreskarte 365 Euro, 2 Euro für 3 Bundesländer – Beispiel Wien, NÖ und Burgenland 730 Euro, 3 Euro für ganz Österreich, somit 1.095 Euro.
VP-Mobilitäts-Landesrat Ludwig Schleritzko sieht sich durch die AK-Umfrage in seiner Position bestärkt. In Niederösterreich arbeite man an der Mobilitätswende und verhandle über bessere Angebote. Je mehr Partner zur Seite stehen, umso besser. So konnte man seitens des Landes erst vor kurzem mit dem Bund und den Partnern in Wien und Burgenland ein Memorandum of Understanding abschließen, das Bestellungen im Bahnverkehr in Höhe von 6,5 Mrd. Euro in den kommenden zehn Jahren vorsieht.
Vor allem sei aber eine neue Stammstrecke durch Wien entscheidend. Diese sei Grundlage für die Ausweitung von Angeboten nach bzw. durch Wien und entlaste die bestehende Infrastruktur. Für die Einführung eines Jahrestickets müsste das Land NÖ die Ausgaben für die Angebote im ÖV von 95 auf 381 Mio. Euro pro Jahr erhöhen. „Ohne auch nur einen zusätzlichen Zug oder Bus dafür bestellen zu können. Wir gehen einen anderen Weg: Wir wollen die Angebote bis 2030 um bis zu 30 % ausbauen und so attraktivieren“, meint Florian Krumböck vom Büro Schleritzko.
Das 365 Euro-Ticket fordern die Grünen schon seit Jahren. Vor allem in Kombination mit dem Wiener Ticket wäre dies – wie Grüne-Bezirkssprecherin Beate Kainz meint – eine massive Vergünstigung für die Tagespendler in die Bundeshauptstadt.
Wie auch die SPÖ bedauern die Grünen die Stilllegung des Schweinbarther Kreuzes, das durch ein neues Buskonzept kompensiert werden soll. Die Bekundung des Öffi-Ausbaus stünde jedoch kontraproduktiv zur zeitgleichen Bahnstilllegung.
Kainz: „Gerade in unserer Region wird nach einem dritten Gleis verlangt, um den Bedarf für Wien-PendlerInnen zu decken. Wir könnten die Schienen, die vorhanden sind, verlängern, um z.B. aus der Schweinbarther Linie eine RegioTram zu machen, die über das G3 nach Floridsdorf fährt. Unabhängig von bestehenden Schienen, auf denen scheinbar kein Platz mehr ist“. Das weitere Zugangebot mangle laut Kainz am Willen der Politik, die Gegebenheiten zu nutzen und umzusetzen. Kainz: „Lieber investiert man in die Stilllegung der Bahn“.
Im Kreuzfeuer der Grünen Kritik stehen auch die ausstehende VOR-Entscheidung über die Änderung von Schul- auf Werktage (das spielt bei der Busnutzung eine wesentliche Rolle), aber auch die fehlende Elektrifizierung der Strecke Gänserndorf – Marchegg und die Eliminierung der Haltestelle Weikendorf. Der Öffi-Ausbau muss durch Lärmschutzwände und komfortableres Wagenmaterial für PendlerInnen spürbar sein. Kainz: „Die PendlerInnen haben recht. Günstigere und bessere Verbindungen in der Ost-Region sind längst überfällig“.
Maria Köhler

Foto: ÖBB / Martin Radner

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