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"Lass uns die Welt "fairschönern!" - Vortrag von Fair Trade Modelabel in Stadtbücherei
 "Lass uns die Welt "fairschönern!" - Vortrag von Fair Trade Modelabel in Stadtbücherei

Gänserndorf, 15. Oktober 2019

"Lass uns die Welt "fairschönern!" -
Vortrag von Fair Trade Modelabel in Stadtbücherei

Im Weltladen in der Stadtbücherei Gänserndorf berichtete Ingrid Gumpelmaier-Grandl vom Modeprojekt "FAIRytale" in Kathmandu in Nepal. Dort werden nach ihren Ideen modebewusste und fair produzierte Kleidungsstücke hergestellt, die im Hochland von Nepal einigen Familien ihre Existenz sichern.

Der Abend mit der "Fairytale"-Gründerin Gumpelmaier-Grandl bot interessante Einblicke in das Alltagsleben in Nepal und wie etwa ein Kleidungsstück von der ersten Idee zum komplett fertigen Produkt wird. Seit mehr als 10 Jahren arbeitet das Fair Trade Modelabel aus Österreich mit kleinen Manufakturen in Nepal zusammen. Dabei ist es eine große Herausforderung, neben den großen Textilgiganten bestehen zu können.

Öko-faire Arbeitsweise und gemeinsam entwickelter Plan
In den für "Fairytale" tätigen Manufakturen ist jeder Einzelne ein wichtiger Teil des Teams, Maschinen werden so eingesetzt, dass sie den Arbeitern hilfreich sind, sie aber nicht ersetzen. Das besondere daran ist, dass die österreichische Modefirma nicht als reiner Einkäufer auftritt, sondern gemeinsam mit den Produzenten designt und Pläne entwickelt. Mehrmals im Jahr wird dabei Nepal besucht, um die Qualitätsentwicklung und die öko-faire Arbeitsweise voranzutreiben.

"Fairer Handel bedeutet langfristige Partnerschaft"
Und diese Reisen nach Nepal zeigen eine Kultur, die sich von der österreichischen stark unterscheidet. Sozialleistungen wie Krankenkasse oder Pension kennt man dort nicht. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von der "Tagelöhnerei", also von kurzfristigen Jobs. Das kann schon mal bedeuten, dass jemand in Nepal eine Woche in einer Bar arbeitet und in der nächsten Woche einem Bauern am Feld hilft. Auch ist es hier durchaus üblich, dass man für den spontanen Transport einer Ware ans andere Ende einer Stadt ein paar Rupien angeboten bekommt. Falls jemand doch einmal eine geregelte, langfristige Arbeit bekommt, dann ist das in Nepal ein großes Highlight. Und genau hier liegt laut Gumpelmaier-Grandl der Unterschied zwischen Handel und fairem Handel: "Fairer Handel bedeutet, eine langfristige Partnerschaft einzugehen. Und deshalb ist es in Nepal etwas außergewöhnliches, dass Fairytale bereits seit über zehn Jahren konstant dort seine Produkte produzieren lässt."

"Nach 10 Jahren reicht keine Mozartkugel mehr"
Wenn Gumpelmaier-Grandl nach Nepal reist, dann führt sie einen Koffer mit Entwürfen und Stoffen mit. Einen weiteren Koffer hat sie komplett mit Mitbringseln angefüllt."Aber nach über 10 Jahren reicht es nun natürlich nicht mehr, einfach eine Mozartkugel mitzubringen", lacht die aus Eferding in Oberösterreich stammende Mode-Label-Betreiberin. Die Mitbringsel seien mittlerweile sehr persönlich, es enstanden über viele Jahre enge Freundschaften. Man freut sich und gratuliert zu Hochzeiten und Geburten des jeweils anderen.
Doch die Reisen sind nicht nur Vergnügen: Damit die Anforderungen jenen der europäischen Modewelt entsprechen ist es oft ein langer Weg. Die Wolle wird extra nach den speziellen Wünschen von Fairytale gefärbt, dann geht es los mit dem Filzen, was eine langwierige Prozedur ist.

Durch eigene Photovoltaik-Anlage Problem der Stromausfälle gelöst
Was man sich aus österreichischer Sicht überhaupt nicht vorstellen kann, ist die schwierige Planungssicherheit bei der Produktion aufgrund von regelmäßigen Stromausfällen. Deshalb errichtete das österreichische BIO-faire Mode-Label in Nepal mit Hilfe von Ingenieure ohne Grenzen und einer Crowd-Funding-Kampagne eine eigene Photovoltaik-Anlage. Für einen weiteren Überraschungseffekt sorgte die nepalesische Lebensfreude. Da kann es schon mal passieren, dass mitten während der Arbeit ein Arbeiter aufsteht, zu singen und tanzen beginnt - und plötzliche alle anderen Arbeiter mitmachen. Wenn ein Österreicher verwundert fragt, wieso man das macht, zucken die Arbeiter mit den Achseln und meinen: "Danach arbeiten wir eh weiter". Und im Endeffekt ist man durch diese Dinge sogar produktiver: "In Österreich fragt der Arbeitsinspektor, ob man eh zweimal pro Tag kurz vom Bürostuhl aufsteht. In Nepal passiert das eben mit regelmäßigem Gesang und Tanz", schmunzelt Gumpelmaier-Grandl.

"Wir produzieren von XS bis XXL"
Für sie ist wichtig, dass sie mit ihrem Fair Trade Modelabel über Schubladen hinwegdenkt: "Wir produzieren von XS bis XXXL, wer Gewicht abnehmen will, soll das tun, aber ob er deshalb passendes Gewand findet oder nicht soll davon unabhängig sein." Die Produktpallete reicht von klassischen bis zu ausgeflippten Kleidungsstücken. Eine Bedingung für die Produktion: Sie muss umweltfreundlich sein. Auch dem ständigen Kauf von neuen Kleidungsstücken, die dann zuhause nur herumliegen und nie getragen werden, will man entgegenwirken: "Wir stehen für nachhaltigen Einkauf von Mode. Es muss nicht jede Woche eine neue "Produktbombe" auf den Markt geworfen werden. Sondern bei uns kauft man wohlüberlegt und nur dann, wenn man die Kleidung dann auch wirklich regelmäßig trägt", so Gumpelmaier-Grandl.
Hannes C. Huber

       

Auf den Bildern: Vortrag vom Fair Trade Mode Label "Fairytale" im Weltladen, in der Gänserndorfer Stadtbücherei. Fotos: Huber

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