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Bahnlinien am Schweinbarther Kreuz werden eingestellt ÖVP jubelt – SPÖ skeptisch – massive Kritik der Grünen News-Button

Östliches Weinviertel, am 30. März 2019

Bahnlinien am Schweinbarther Kreuz werden eingestellt
ÖVP jubelt – SPÖ skeptisch – massive Kritik der Grünen

RUNDschau-Leser wissen es schon seit gut zwei Wochen. Den Nebenbahnen des „Schweinbarther Kreuzes“ schlägt die Stunde. Die Bahnlinien zwischen Gänserndorf und Obersdorf, bzw. Gänserndorf und Groß-Schweinbarth werden – spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 – eingestellt.
Seit 1903 hat es – so die Grünen – auf dieser Strecke Eisenbahnverkehr gegeben. Zuletzt haben aber nur mehr 700 Fahrgäste am Tag die (veralteten) Schienenbusse genutzt.
Vekehrslandesrat Ludwig Schleritzko hat daher am 29. März VertreterInnen der Region „Schweinbarther Kreuz“ im Weinviertel neue und – wie er sagte - bessere Mobilitätsangebote präsentiert.
Diese mussten geplant werden, weil die bestehende Bahnlinie von den ÖBB eingestellt wird. „Mit den heute abgestimmten Plänen bringen wir den Öffentlichen Verkehr näher zu den Menschen, wir schaffen bessere Angebote für die PendlerInnen und entlasten unser Klima deutlich. Wir machen damit das Schweinbarther Kreuz zur Innovations-Region in Sachen Mobilität“, fasste Schleritzko bei einer anschließenden Pressekonferenz zusammen.
„Das erreichen wir durch ein attraktives Bussystem, die Errichtung eines Mobility-Labs in der Region und indem wir hier Niederösterreichs erste E-Bus-Region entwickeln.“

Neues Bussystem ab Schulbeginn im September 2019
Herzstück der Neuerungen ist die Einführung eines neuen Bussystems im September 2019. „Der Bus bringt einiges an Vorteilen. Wir starten früher, enden später & haben unter Tags mehr Angebot“, so Schleritzko.
Während der Woche wird es zwischen 4:30 und 22:30 Uhr einen Halbstundentakt zwischen Wolkersdorf und Raggendorf, bzw. zwischen Raggendorf, Matzen und Gänserndorf geben. Am Wochenende verkehren diese Linien von 6:00 bzw. 7:00 bis 22:00 Uhr im Stundentakt. Ganzwöchig im Stundentakt unterwegs sind die Busse zwischen Bad Pirawarth und Raggendorf. Neu auf dem Fahrplan steht ein Stundentakt zwischen Raggendorf, Schönkirchen und Gänserndorf.

 

Überblick

Aktueller Fahrplan Weinviertel Landesbahn
bis September 2019

Neues Regionalbussystem
ab September 2019 *

Betriebszeit

  • Mo-Fr von 4:45 - 21:42 Uhr
  • Sa: 6:45 - 21:42 Uhr
  • So: 6:45 - 21:42 Uhr
  • Obersdorf - Groß Schweinbarth
  • Mo-Fr: Stundentakt,

Halbstundentakt von 5 - 8 Uhr und 12 - 19 Uhr

  • Sa/So: 2-Stundentakt
  • Gänserndorf - Groß Schweinbarth
  • Mo-Fr: Stundentakt
  • Sa/So: 2-Stundentakt

Betriebszeit

  • Mo-Fr von ca. 4:30 - 22:30 Uhr
  • Sa: 6 - ca. 22 Uhr
  • So: 7 - ca. 22 Uhr
  • Wolkersdorf – Raggendorf:
  • Mo-Fr: ganztägiger Halbstundentakt
  • Sa-So: ganztägiger Stundentakt
  • Raggendorf – Matzen – Gänserndorf:
  • Mo-Fr: ganztägiger Halbstundentakt
  • Sa-So: ganztägiger Stundentakt
  • Stundentakt: Bad Pirawarth – Raggendorf
  • NEU: Stundentakt Raggendorf – Schönkirchen - Gänserndorf

* Stand 29.3.2019, Änderungen vorbehalten

 

Haltestellen rücken in die Ortszentren
Neben den besseren Taktungen im Vergleich mit dem Bahnangebot, bringe das Bussystem einen weiteren Vorteil. „Wir wissen, dass die Zahl der Nutzer von Öffentlichen Verkehrsangeboten mit der Entfernung zur nächsten Haltestelle zusammenhängt. Wer zu lange gehen muss, der wählt eher das Auto. Und wer das Auto wählt, bleibt oft nicht bei Park&Ride-Anlagen stehen, sondern legt den ganzen Arbeitsweg damit zurück“, erläuterte Schleritzko.
„Mit dem Bus gelingt es uns die Zahl der Menschen, die innerhalb von 500 Meter zu ihrem Wohnort eine Haltestelle finden, von bislang 4.800 auf 13.600 fast zu verdreifachen.“

Theater- und Talentebus ab Herbst 2020
Eine weitere Verbesserung im Bussystem ist für Herbst 2020 geplant. Dann tritt die geplante Neuordnung des Bussystems für die Region Weinviertel Ost in Kraft, von dem auch die Region Schweinbarther Kreuz profitiert.
„Wir können nicht nur 1,1 Mio. Buskilometer mehr anbieten, wir schaffen auch ganz spezielle Angebote“, so Ludwig Schleritzko. Eingeführt werde etwa ein Theaterbus (von der U-Bahn in Wien), der Kulturbegeisterten ein Heimkommen nach dem Theaterbesuch ermöglicht.
Der sogenannte Talentebus soll die Schulen der Region besser anbinden, speziell das Oberstufen-Gymnasium in Deutsch-Wagram.
Auch ein Stundentakt von Gänserndorf zum Mistelbacher Krankenhaus stehe auf der Liste der geplanten Neuerungen. Damit will man seitens des Landes wohl auch der – speziell in Vorwahlzeiten immer wieder aufflammenden Debatte um ein eigenes Spital in Gänserndorf die Spitze nehmen.

Schweinbarther Kreuz wird erste E-Bus-Region in NÖ
Eine weitere Neuerung soll Ende 2021 Realität werden. „Wir machen das Schweinbarther Kreuz zur ersten E-Bus-Region in Niederösterreich. Dafür errichten wir etwa in Wolkersdorf, Gänserndorf und im Gebiet von Bad Pirawarth eigene Ladeinfrastruktur. So wird die Region Innovations-Leader und Vorbild für die weitere Verkehrsentwicklung im Land“, hofft Schleritzko.
Umstieg auf Bus entlastet Klima deutlich
Waren auf der Bahnstrecke bislang Dieselloks aus den 80er-Jahren ohne Partikelfilter unterwegs, kann der ökologische Fußabdruck deutlich reduziert werden. „Im ersten Schritt können wir etwa 170 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Mit der Umstellung auf die E-Busse wird sich dieser Wert auf 830 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr erhöhen. Das schaffen wir, obwohl das Angebot in der Region Schweinbarther Kreuz von 450.000 Kilometer auf 1,5 Mio. Kilometer jährlich wächst“, führte der Landesrat weiter aus. Die Einsparungen entsprechen etwa dem Effekt eines Umstiegs von 415 Benzin-Autos auf Elektro-Autos.

Mobility-Lab wird Weg in Zukunft begleiten
All diese Maßnahmen werden von einem neu eingerichteten Mobility-Lab begleitet, in welchem Gemeinden, Land und Verkehrsverbund zusammenarbeiten wollen. Ziel dieses „Labors“ sei, das Angebot laufend zu optimieren.

Bürgerinformation in Prottes und Groß-Schweinbarth
Der Vorsitzender des Regionalverbands Weinviertel, LAbg. Bgm. René Lobner, begrüßt die Pläne des Landes. „Was wir brauchen ist das beste Verkehrsangebot und nicht das Angebot mit dem vermeintlich besseren Image. Genau das erreichen wir mit dem neuen Bussystem“, so Lobner.
Er verwies auf geplante Informationsveranstaltungen für die BürgerInnen, die von den Neuerungen profitieren werden. Diese finden am 9. April in Groß-Schweinbarth bzw. am 12. April in Prottes statt.

Hofer: „Sorgen wurden ausgeräumt“
Der Bürgermeister von Auersthal, Erich Hofer, berichtete von Sorgen, die es nach den vielen Diskussionen rund um das Schweinbarther Kreuz gab. „Heute haben wir sogar ein besseres Angebot erreicht. Das neue System bringt die BürgerInnen und den Öffentlichen Verkehr näher zusammen, was den Bus deutlich attraktiver macht. Gerade auch die Spätverbindung aus Wien und die bessere Anbindung der Schulen in der Region sind ein echte Verbesserungen für die Bevölkerung“.
Erfreut zeigte sich der Bürgermeister, dessen Gemeinde schon bislang ein Treiber von E-Mobilität in der Region war, über den Einsatz von E-Bussen. „Wir gehen hier einen wichtigen neuen Schritt.“

ÖBB: Einstellung mit Land abgesprochen
Laut ÖBB-Sprecher Seif wurde zum Schweinbarther Kreuz in der Grundsatzvereinbarung über ÖBB-Infrastrukturmaßnahmen in Niederösterreich im Jahr 2017 zwischen dem Land NÖ, den ÖBB und dem bmvit die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur verkehrlichen Attraktivierung dieser Streckenabschnitte festgeschrieben und umgesetzt.
Die Untersuchung von möglichen infrastrukturellen Aktivierungsmaßnahmen samt darauf aufbauender Fahrplanverbesserungen, hat jedoch ergeben, dass auch in Zukunft ein Fahrgastpotenzial von 2.000 Fahrgästen pro Tag – wie es vom Bundesrechnungshof gefordert wird - deutlich unterschritten wird.
Die ÖBB-Infrastruktur beabsichtige, die Strecke Obersdorf – Groß Schweinbarth – Bad Pirawarth/Gänserndorf daher per 15.12.2019 einzustellen, weil zu wenig Potential für eine sinnvolle und wirtschaftlich darstellbare Weiterführung des Bahnbetriebes vorhanden ist.
Das Land Niederösterreich nimmt diese Entscheidung zur Kenntnis, es darf aber festgehalten werden, dass dieser Entscheidungsfindung zahlreiche Abstimmungsgespräche in den letzten Jahren zwischen ÖBB, Land und bmvit zu Grunde liegen.
In der Theorie ist alles verhandelbar, in der Praxis müsste aber dann auch das entsprechende Potenzial für eine sinnvolle und wirtschaftlich darstellbare Weiterführung des Bahnbetriebes vorhanden sein und notwendige Investitionen in die Infrastruktur müssten sich rechnen, gibt Seif Wünschen nach neuerlichen Gesprächen zwischen den Vertragspartnern Land, ÖBB und vor keine Chance.

Werben für Nachfolgelösung, wenn die Nebenbahnen am Schweinbarther Kreuz im Herbst eingestellt werden: LR Schleritzko (mi.), die Bürgermeister Lobner (re.) und Hofer.
Herzstück der Neuerungen ist die Einführung eines neuen Bussystems im September 2019

Renner/Erasim: „Nach geplanter Bahnlinienschließung dürfen für PendlerInnen keine Nachteile entstehen!“
Erwartungsgemäß keine Freude hat die SPÖ-NÖ mit der geplanten Schließung der Bahnlinien am Groß-Schweinbarther Kreuz. Nach Bekanntwerden sei die Unsicherheit bei den PendlerInnen und BürgermeisterInnen in der Region, sowie bei den ÖBB-Bediensteten groß.
So weiß der Pillichsdorfer Vizebürgermeister Mag. Erich Trenker, selbst begeisterter Bahnfahrer, dass noch in den 1990er-Jahren die Züge auf dieser Strecke in Doppelgarnituren gefahren sind, die mir täglich 3.000 Fahrgästen "gesteckt" voll waren.
"Dann aber wurden die Anschlüsse an das übrige Bahnnetz immer wieder verschlechtert, die Verbindung nach Gaweinstal eingestellt und die Strecke so unattraktiv gemacht, dass jetzt eben nur noch 700 tägliche Benutzer übrig geblieben sind", kritisiert die Weinviertler NRin Melanie Erasim.
LT-Präsidentin Karin Renner betont, dass sich die SPÖ NÖ keinem vernünftigem Konzept verschließen werde, weist jedoch darauf hin, dass die ÖVP NÖ im Herbst noch versichert habe, keine Bahnlinien zu schließen: „Nach dem Sinneswandel der ÖVP, muss nun rasch ein innovatives, umfassendes Verkehrskonzept umgesetzt werden, bei dem es für die PendlerInnen aus der Region zu keinen Nachteilen kommt. Die Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung ist groß – niemand weiß genau, wie es ab Dezember weitergehen soll.“
Nationalrätin Melanie Erasim verweist darauf, dass die Bahnlinie Schweinbarther Kreuz auch in der, vom bmvit geschalteten, Vorankündigung für die Verkehrsdiensteverträge aufgeschienen ist: „Dass diese Pläne nun ad acta gelegt werden, ist für die Menschen in der Region ein schwerer Schlag! Für viele PendlerInnen wird der Weg zum Arbeitsplatz nun um ein Vielfaches erschwert.“
Die Regionalbahnen seien in Bezug auf den Öffentlichen Verkehr besonders für den ländlichen Raum eine wichtige Stütze, so Renner und Erasim: „Mit der Schließung von Bahnlinien komme es unweigerlich dazu, dass sich der Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert. Das Bekenntnis zur Attraktivierung und Stärkung des Öffentlichen Verkehrs verkommt somit zu einer leeren Worthülse.“
Anstatt günstige und leistbare öffentliche Verkehrsmittel zu forcieren, werden die PendlerInnen zum Umstieg auf den Individualverkehr gezwungen. Damit muss Schluss sein! Wir werden bei unserer Forderung nach einem 365-Euro-Jahresticket und dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel hartnäckig bleiben, um endlich eine tatsächliche Entlastung, sowohl für die PendlerInnen als auch für die Umwelt, zu gewährleisten!“

 

Grüne: „Zeichen für verfehlte Verkehrspolitik“
Da heute die BürgermeisterInnen entlang der Schweinbarther Linie im Gänserndorfer Rathaus über deren Einstellung informiert worden sind, haben auch GRÜNE aus den Bezirken Mistelbach und Gänserndorf spontan ihren Unmut kundgetan.
„Keine Nebenbahn kann durch einen Bus ersetzt werden! Diese Linie ist ein Zeichen für eine verfehlte Verkehrspolitik. Schon vor Jahren wurden der Fahrplan so geändert, dass die Züge für SchülerInnen nicht mehr nutzbar waren. Trotzdem wurde noch im Landtagswahlkampf zugesichert, dass die Linie erhalten wird.“
Die Gänserndorfer Vizebürgermeisterin Margot Linke: „Die „überraschten“ BürgermeisterInnen geben nun den ÖBB die Schuld. Dabei hat das Land NÖ schon vor Jahren sämtliche Nebenbahnen übernommen. Offensichtlich haben weder die VP-Landesregierung noch die VP-Bundesregierung Einfluss auf ÖBB Entscheidungen! Ein Schelm wer Böses dabei denkt.“

Grüne halten die Schließung der Bahnlinie als „Zeichen für verfehlte Verkehrspolitik“
SPÖ-Aktivisten am Groß-Schweinbarther Bahnhof. Renner, Erasim und Co. fürchten, dass Pendler zum Umstieg auf’s Auto gezwungen werden.

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