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Schweinbarther Linie: Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?
Groß Schweinbarth, 09. März 2020

Schweinbarther Linie: Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?

Wie die RUNDschau berichtete, steht die Wiederaufnahme des Bahnbetriebes an der Strecke „Schweinbarther Kreuz“ nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses der Bahnbefürworter, zu denen allen voran die Aktionsgruppe „Regionalbahn statt Bus“ sowie die Grünen, aber auch viele MitbürgerInnen und BürgermeisterInnen der betroffenen Orte zählen.
Die Graz-Köflacher Bahn (GKB) hatte schon im Jahr 2019, als die Schließung der Bahnstrecke vollzogen wurde, ihr Interesse als Betreiber bekundet und im Februar die Orts-Chefs an den bisherigen Linien zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.
Diese erwarteten mit Hochspannung die Konzeptpräsentation des Bahnbetreibers, der hochrangig vertreten war um seriöses Interesse zu kommunizieren. Dem Konzept zufolge soll die Bahnlinie „Schweinbarther Kreuz“ in den nächsten zwei Jahren so ausgebaut werden, „dass bei Obersdorf durch einen Gleisneubau eine Verbindung zur bestehenden Schnellbahnstrecke hergestellt und damit eine direkte Anbindung nach Leopoldau und weiter zur U1 erfolgen kann. 2023 soll das gesamte Projekt abgeschlossen sein und die neuen, batteriebetriebenen, Züge, die sich am SB-Streckenteil wieder aufladen können, auf der neuen Strecke fahren“, erklärt Bgm. Marianne Rickl-List.

Gemeinden zahlen nichts – stehen aber voll und ganz hinter dem Bahnprojekt
Für sie und die anwesenden BürgermeisterkollegInnen der Anrainergemeinden unterschiedlicher politischer Couleurs klingt das Konzept gut und zukunftsträchtig. „Vor allem die Direktanbindung zur U-Bahn wäre eine tolle Sache“, schwärmt die Groß-Schweinbarther Orts-Chefin. Der von der GKB angegebene Zeitrahmen lässt Rickl-List jedoch an dessen Durchführbarkeit zweifeln.
„Jeder weiß, wie lange Verfahren dauern. Wir haben jetzt 2020 und die neue Bahn soll bereits 2023 fahren. Noch ist nicht geklärt wer das alles bezahlt. Die GKB hat lediglich eine Kostenschätzung zum neuen Gleis in Höhe von 6,4 Millionen Euro vorgelegt. Da stellt sich dann noch die Frage, wer die erforderliche Gleissanierung am bestehenden Stück sowie die neuen Wägen zahlt und alles, was noch dazugehört“, meint Rickl-List.
Die anwesenden GemeindevertreterInnen haben schon während der Infoveranstaltung bekundet, dass sich die Kommunen nicht an den Kosten beteiligen werden. Die GKB ist kein Privatunternehmen, sondern ein Schwesternbetrieb der ÖBB und gehört somit zur Gänze dem Bund. Inwieweit nun die ÖBB bereit sind, in die eigentlich von ihnen abgestoßene Strecke zu investieren, wird sich erweisen. Welche Vorteile sich durch den Bahnbetrieb in der Region ergeben würden, fassen die solidarisch vereinten Bürgermeister in einem Schreiben an Bund, Land, ÖBB und auch an den Bahnbetreiber GKB zusammen.
Letzterer wird darin aufgefordert, die weiteren Schritte zur Umsetzung und Realisierung des Bahnprojektes voranzutreiben. Es liege im Ermessen der GKB, hier die Gespräche bezüglich Umsetzbarkeit und Finanzierung zeitnah mit den Projektpartnern zu führen, denn bis jetzt hätten diese – laut Rickl-List - noch nicht stattgefunden. Ihrer realen Einschätzung zufolge könnte somit der geplante Bahnbetrieb frühestens in vier, fünf Jahren starten.

Bahn vs. Bus? Beides sei optimale Lösung für die Region
Gerhard Mayer, Sprecher der Aktionsgruppe „Regionalbahn statt Bus“, plädiert für einen ausschließlichen Bahnbetrieb in der Region, noch dazu, wo die Schienen ja vorhanden seien. Die Reaktivierung der Regionalbahn wäre seiner Meinung nach eine schnelle und klimafreundliche Aktion. Dieselbusse durch verkehrsgeplagte Orte fahren zu lassen - so der BI-Sprecher - sei keine gute Wahl.
Mayer: „Wir sind zwanzig Kilometer von Wien entfernt. Wer hier nicht das Potenzial sieht, spielt bewusst mit falschen Zahlen, um die Bahn zu sperren“. Das vorhandene Potenzial bestätigte auch der zur Infoveranstaltung herangezogene Verkehrsexperte der TU.
Das Land argumentiere laut Mayer bei seinem Buskonzept mit Fahrgastzahlen, die er als „lächerlich“ befindet: „Die 700 Zugfahrgäste waren zu wenig, um den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Zählung erfolgte zudem im August, also in den Ferien, wo die Schüler wegfallen. Schleritzko zählte hingegen bei den Bussen 800 Fahrgäste. Da fahren ja auch halbleere Busse umher. Ich frag mich wirklich, wo hier der Sinn liegt“, sagt Mayer.
Parallel zur Regionalbahn sei laut Rickl-List dennoch ein Busbetrieb in der Region erforderlich. Beide Formen sollten sich ergänzen und die Region mobil machen. Denn wie der Betreiber in der Präsentationsveranstaltung betont hat, bestünde kein Interesse am Betrieb der Schweinbarther Linie in Richtung Gänserndorf.
Bgm. Rickl-List: „Somit müssten die Leute von Matzen und Prottes mit den Bussen abgeholt werden. Die Busse sind sinnvoll und helfen uns jetzt über die Runden, wo kein Zug fährt. Auch dann wird man nicht ohne sie auskommen. Allerdings müssten Bahn und Bus lückenlos aufeinander abgestimmt werden“.

Keine Auskunft vom Betreiber
Auf Befragen der RUNDschau, wie der aktuelle Status quo im Bahnprojekt „Schweinbarther Kreuz“ laute, rückt die GKB – wie schon bei der letzten Artikelrecherche – wieder nicht mit detaillierteren Informationen heraus. Man führe derzeit Gespräche mit den unterschiedlichen Partnern – hieß es (auch schon beim letzten Mal) - und könne daher noch keine detaillierteren Aussagen zum Projekt und zu den möglichen Kosten machen.

Maria Köhler

Am Bild: Infos zum Schweinbarther Kreuz.
Foto: zVg

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